Der Boden unter mir ist kühl. So langsam bekomme ich eine Gänsehaut. Bäuchlings liege ich auf unserem Rasen. In den Händen halte ich meine Spiegelreflexkamera. „Jetzt nur noch ein bisschen Unschärfe in den Hintergrund“, murmele ich konzentriert vor mich hin. Dann ist der Moment gekommen. „Klick“. Das perfekte Foto von unseren Krokussen ist im Kasten. Als Farbtupfer im ansonsten noch winterlich kargen Garten sorgen die Frühblüher bei mir unweigerlich für gute Laune.

Bevor wir in unser neues Zuhause in der Gartenstadt Werdersee zogen, wohnten Kalle und ich immer nur zur Miete. Einen Garten hatten wir nie. Umso mehr wissen wir nun unser „grünes Wohnzimmer“ zu schätzen. Es ist unser Rückzugsort, ein Platz, an dem Entschleunigung an erster Stelle steht und an dem man es sich gerne gemütlich macht – mit alten Freunden, Verwandten und den liebenswerten Nachbarn. Apropos Nachbarn: Auf dem Grundstück nebenan tut sich etwas. Die Terrassentür öffnet sich und Paula tritt ins Freie. „Guten Tag!“, rufe ich hinüber und füge hinzu: „Euer neues Futterhaus (Blogbeitrag) ist ja ganz schön beliebt.“ Paula lacht und erwidert: „Hi Cigdem! Ja, das ist es nicht nur bei den Vögeln. Wir sitzen fast täglich mit den Kindern am Wohnzimmerfenster und studieren das bunte Treiben im Garten.“

„Am kommenden Wochenende könnt ihr Kalle und mich gleich mit beobachten. Wir wollen nämlich die Beete räumen, die Rindenmulch-Schicht erneuern und ein wenig Dünger verteilen“, kündige ich unser ambitioniertes Vorhaben an.

Paula schließt kurz die Augen und geht in Gedanken ihren Terminkalender durch. Dann antwortet sie: „Wir gucken nicht nur zu, wir helfen euch natürlich, und zwar alle Vier. Und abends kommt ihr zu uns rüber und wir grillen zusammen an.“ „Super Idee! So machen wir das“, sage ich freudig. Wir verabschieden uns. Ich gehe wieder ins Haus und lege die teure Kamera behutsam auf den Tisch. Dann lächele ich und denke: „Einfach nur toll so ein Garten. Und solche Nachbarn erst recht.“