Freitagabend. Ich stehe im Garten und packe meine Sachen für die Nacht zusammen: Bleie, Rollen, Schnur, Bissanzeiger, Kescher, Klappstuhl und natürlich meine Karpfenruten. Als nächstes belade ich den Fahrradanhänger. Dann gehe ich zurück ins Haus und verabschiede mich von meiner Frau Cigdem: „Bis morgen früh, Schatz. Ich fange uns jetzt einen Leckerbissen“. „Viel Spaß und Petri Heil!“, antwortet sie.

Seit wir in der Gartenstadt Werdersee wohnen, habe ich meine Leidenschaft fürs Sportfischen wiederentdeckt. Kein Wunder. Schließlich befindet sich ein Anglerparadies direkt vor der Haustür. Hier schalte ich ab und genieße die Ruhe, die an dem fischreichen Gewässer einkehrt, sobald die Nacht anbricht – und die letzten Jogger und Spaziergänger das Feld räumen. Ich versuche mein Glück an der Uferstelle, an der ich schon einige Male erfolgreich war. Nachtangeln ist hier erlaubt, das Zelten nicht.

Ich werfe die Angel aus und versenke sämtliche Gedanken an meinen Job mit dem ersten Blei im Wasser. „Flubsch.“ Ein gutes Gefühl. Dann mache ich es mir auf dem olivgrünen Klappstuhl gemütlich. Also, so gemütlich, wie man es sich halt auf einem Klappstuhl machen kann. Einige Stunden verstreichen, die Nacht nimmt ihren Lauf. Längst habe ich mir meine warme Jacke übergezogen. Dann: ein Biss! Nach dem Drill lande ich das Prachtexemplar eines Karpfens sicher im Kescher. Wenig später: der zweite Biss! Das war es dann für diese Nacht.

Wie ich die beiden Karpfen zubereite, weiß ich jetzt schon: Morgen Abend laden wir unsere Nachbarn ein und schmeißen den Grill an. Dann landen die schmackhaften Fische auf dem Rost. Dazu ein bisschen Zitrone, Knoblauch und ein wenig Petersilie. Mir läuft schon jetzt das Wasser im Mund zusammen!