Der letzte Möbelwagen hatte erst gestern Abend die verbliebenen Umzugskartons mit dem ganzen Kleinkram abgeladen, den meine Frau und ich jetzt einsortierten. „Da schau her, hier ist sie ja, meine Geburtsurkunde – wie lange hatte ich die in der alten Wohnung gesucht?!“, rief meine Frau, als sie eine Mappe aus dem letzten Karton fischte und in den Schrank einsortierte.

Für den Nachmittag hatten sich bereits unsere neuen Nachbarn Martin und Paula für den Antrittsbesuch – „ganz zwanglos und nur wenn ihr und der Kleine nicht zu müde seid“ – angekündigt. Mit Martin hatte ich ja bereits ein paar Worte gewechselt, als er mir geholfen hatte, das große Sofa aus dem Möbelwagen ins Wohnzimmer zu hieven. „Natürlich kommt ihr vorbei!“

„Hier sind wir also.“ – ganz stilecht mit Brot und Salz standen Martin und Paula an der Türschwelle und nachdem wir die beiden herzlich begrüßt hatten, führten wir sie durch die Zimmer unseres neuen Hauses. Paula war sofort ganz hingerissen von den Stoffen und Farben im Wohnzimmer, während Martin ausgiebig das Kinderzimmer musterte. „Also, Stil habt ihr ja – du hast doch bestimmt Innenarchitektur studiert?“ fragte Paula meine Frau. Meine Frau wiegelte lachend ab. „Nein, wir haben erst einmal wochenlang Zeitschriften und Kataloge gewälzt und natürlich im Internet hoch und runter gesucht. Die entscheidende Inspiration für das Kinderzimmer haben wir im Musterhaus der Gartenstadt erhalten.“

„Dieser grün-weiße MOIN-Schriftzug an der Wand erinnert mich an irgendwas“, schließlich meldet sich auch Martin nach längerem Überlegen zu Wort. „Na klar“, Martin schlägt sich plötzlich lachend mit der Hand auf die Stirn, „dann haben wir hier ja bald den nächsten Werder-Fan.“

„Apropos Weserstadion, Martin, sehen kann ich es ja von hier, aber ist auch leicht zu erreichen?“ frage ich. „Logo, gleich oben auf dem Deich biegt ihr links ab und nach einer knappen halben Stunde zu Fuß erreicht ihr dann den Deichschart. Wenn ihr dann rechts abbiegt ist es nicht mehr weit bis zur Fähre beim Café Sand, die euch über die Weser bringt. Und dann immer rechts halten.“ „OK, aber wir müssen erst einmal sehen, wie lange der Kleine ruhig bleibt. Aber für den morgendlichen Weg zur Arbeit mit dem Rad ins Viertel ist das schon mal ein Supertipp!“, antworte ich, als wir den Kleinen in den Kinderwagen verstauen und uns zu dritt auf den Weg Richtung Deich aufmachen.