Es ist Herbst, die Sonne ist längst untergegangen. Ich stehe am Deich und blicke über das Wasser auf das gegenüberliegende Weserstadion, wie im Traum versunken. Von weitem sieht das Stadion manchmal aus, als hätte ein übergroßes UFO sich leuchtend auf dem Osterdeich niedergelassen. Die Flutlichtmasten strecken sich markant in den Nachthimmel, als würden sie nach den Sternen greifen. Sie werfen ihr Licht noch meterweit auf die ruhige Oberfläche des Wassers, fast reicht es bis zu unserem Ufer.

Der Wind trägt ein paar Stimmungsfetzen aus dem Stadion zu uns in die Gartenstadt herüber. Das Spiel fängt bald an, wenn der Wind ganz ruhig ist, meine ich sogar die Hymne „Lebenslang grün-weiß“ zu hören. Erst letztes Wochenende haben meine Kumpels und ich nach dem „Vorprogramm“ in unserem Garten selbst dort gestanden: den Schal mit beiden Armen in den Himmel gereckt und aus voller Kehle jedes Wort mitgesungen. Dabei klingen wir vielleicht nicht immer lerchengleich schön, aber dafür immer laut und aus ganzem Herzen. In der Ostkurve stehen wir natürlich. „Wo denn sonst?“, wie Kalle zu sagen pflegt.

Während ich so meinen Gedanken nachhänge, merke ich, dass Paula nun schon zum zweiten Mal meine Hand drückt. „Wollen wir langsam zurück? Mir wird ein bißchen frisch.“ „Entschuldige, ich habe vor mich hingeträumt. Ja klar, lass uns gehen“. Ich lege meinen Arm wärmend um sie, und wir gehen die paar Schritte zurück nach Hause.