„Stell‘ dir vor: Ein ganzer Samstag nur für uns…Sekt trinken, Samba-Karneval schauen, lange im Café Engel frühstücken und anschließend Shoppen im Viertel…“

Wir können unser Glück kaum fassen: Eigentlich wollten wir gemeinsam mit unseren Kindern zum Samba-Karneval – und nun: überraschend „kinderfrei“. Denn die Kinder wollen lieber mit Opa am Werdersee Inline skaten. „Wir sollten gleich mit dem Sekt anfangen!“, sage ich, als ich uns beiden einschenke und Paula zuproste: „Auf Brasilien!“

Aber wieso eigentlich Brasilien? Ganz einfach: Einmal im Jahr liegt Rio für einen Samstag an der Weser; dann nämlich, wenn über 40.000 Menschen aus allen Himmelsrichtungen in die Stadt kommen und sich dann norddeutsche Ekstase mit brasilianischer Lebenslust mischt. Und dieses Rio liegt von unserer Gartenstadt aus lediglich einen Katzensprung entfernt…

Schon am Freitagabend beginnen die internationalen Gruppen mit dem „Einheizen“ in den Clubs der Stadt. Unser Aufwärmen begann mit den ersten Schlücken Sekt. „Langsam wird es vielleicht Zeit“, mahnt Paula an. „Schließlich wollen wir um Punkt 12 am Marktplatz sein!“

„Mach dir keine Gedanken“, beruhige ich sie mit einem Blick auf die Uhr. „Wenn wir jetzt losgehen, sind wir in dreißig Minuten da!“ Ich schnappe mir die Gläser und die noch halbvolle Flasche, hake mich bei Paula ein und schon schlendern wir gemeinsam am Ufer des Werdersees entlang, Richtung Wilhelm-Kaisen-Brücke.

Schon auf der Brücke vernehmen wir die ersten zarten Samba-Klänge, die vom Marktplatz herüber wehen. Und treffen auf jede Menge gut gelaunte Menschen, die wie wir nur ein Ziel haben: den Marktplatz. Nur noch wenige Schritte trennen uns, und schon sind wir mittendrin und tauchen ein in die Eröffnungsinszenierung, die den Bremer Roland für einen kurzen Moment an den Zuckerhut versetzt. Wir lassen uns mitreißen: von den südamerikanischen Rhythmen, den farbenfrohen Kostümen, den skurillen Masken und den fröhlichen Leuten um uns herum.