Paula und ich haben den Samstagabend ganz für uns alleine, denn Opa Siggi passt auf die Kinder auf. Das müssen wir nutzen. Wir schwingen uns auf unsere Fahrräder und radeln von der Gartenstadt Werdersee am Wasser entlang aus in die nahegelegene Innenstadt. Keine 15 Minuten später sind wir am Ziel: der Kunsthalle Bremen. Doch das ist nur die erste Station von vielen, denn heute steigt in Bremen die Lange Nacht der Museen.
„Wow, wie voll das schon ist“, stelle ich überrascht fest als wir unsere Räder anschließen. „Das ist bei der Langen Nacht der Museen doch immer so. Wusstest du das nicht, du Kulturbanause?“, stichelt mich meine Frau. Ein bisschen hat sie ja recht. Die Tage, an denen ich in den letzten Jahren eine Kunstausstellung oder ähnliches besucht habe, lassen sich an einer Hand abzählen.

Ein Event wie heute kommt mir da sehr gelegen: Schnell da und ohne langes Anstehen gelangen wir in über 20 Museen, Ausstellungshäuser und Galerien. Einfach das Eintrittsband vorzeigen, und hineinspaziert! So gefällt mir das. Auch das Rahmenprogramm kann sich sehenlassen: Inszenierungen, Installationen, Lesungen, Konzerte und Führungen gehören mit dazu.

Wir schlendern durch die Kunsthalle und kommen schnell mit anderen Leuten ins Gespräch. Wir sprechen über ein altes Ölgemälde. Das passiert mir nicht häufig. „Hey, da drüben beginnt gleich eine Führung. Wollen wir da mitgehen?“, fragt Paula und zeigt auf eine kleine Traube von Menschen, die sich um einen Mitarbeiter der Kunsthalle bildet. „Klar, warum nicht“, sage ich. Die Zeit vergeht wie im Flug.

Nach der Führung verlassen wir die Kunsthalle und unser Kultur-Hopping nimmt seinen Lauf: Wir schieben unsere Räder zu den kleinen Museen in der Böttcherstraße. Unterwegs holen wir uns schnell noch zwei Road-Biere. Danach fahren wir zum Übersee Museum am Bahnhof. Als nächstes steht moderne Kunst in der Weserburg auf dem Programm. Dort gibt es nicht bloß Exponate, sondern auch DJs, die elektronische Musik auflegen und eine Bar, an der wir uns einen Drink gönnen.

Wir stoßen noch einmal an, ohne Auto in der Innenstadt zu sein, ist einfach herrlich. Ich sage zu Paula: „Ich glaube, Kunst hat mir noch nie so viel Spaß gemacht wie heute Nacht. Sie lächelt mich an und erwidert: „Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele. Pablo Picasso.“